Zitat
Streblow-Poser, C. (2025). Digitale Formulare der Kinder- und Jugendhilfe. Jahrbuch Dokumentarische Methode, 7, 177–196. https://doi.org/https://doi.org/10.21241/ssoar.108308
Abstract
Das Dokumentationswesen der Sozialen Arbeit ist zunehmend digitalisiert. In
der Praxis existieren vormals analoge Formulare nunmehr nicht nur als
Webanwendung, sondern Softwareprogramme werden implementiert, die über
eine eigene Funktionalität verfügen. Die Dokumentationspraxen stehen damit
sowohl im Zusammenhang mit der Organisationskultur als auch mit der tech-
nischen Ausgestaltung; sie konstituieren gemeinsam den organisationalen
Rahmen (vgl. Streblow-Poser 2024). Die digitalen, formularbasierten Weban-
wendungen setzen nicht nur gesetzliche Vorgaben des Kinder- und Jugendhil-
fegesetzes (SGB VIII) um, sondern gestalten diese durch die Art und Weise
der Darstellung und Eingabeaufforderungen, mit denen sich die sozialpädago-
gischen Fachkräfte auseinandersetzen müssen. An dieser Stelle setzt der vorliegende Beitrag mit der Frage nach der Perspektivierung von Familien an, die beim Jugendamt ‚Hilfe zur Erziehung‘ beantragen. Wie werden Mensch-Maschine-Interaktionen implizit im normativen Rahmen des
Formulars gelenkt, und wie werden Entscheidungen – untersucht am Beispiel
von Hilfeplanverfahren – vorbereitet? In welchem Verhältnis stehen digital er-
zeugte oder auch genutzte Bilder und der Fachlichkeitsdiskurs der Sozialen
Arbeit zueinander?
Vor dem Hintergrund dieser leitenden Fragestellungen fokussiert dieser Bei-
trag die Interpretation von Formularen als Bild. Eine praxeologische Perspek-
tive wird also um designtheoretische Überlegungen ergänzt. Exemplarisch dar-
gestellt wird die Analyse eines Softwareprogramms (Beta2), das in verschiede-
nen Jugendämtern für Hilfeplanungen nach dem SGB VIII eingesetzt wird.