Inhalt anspringen

News der FH Dortmund

Suche

Sprache

Conference of Social Responsibility

Demokratie ist „unpromptable“

Veröffentlicht

Teilnehmende der Conference of Social Responsibility diskutierten, ob und wie KI das Ehrenamt und zivilgesellschaftliche Organisationen verändert.

Wie kann Demokratie in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung, wachsenden Drucks und rasanter technologischer Umbrüche gestärkt werden? Diese Frage stand im Fokus der diesjährigen „Conference of Social Responsibility“ (CoSR) der Fachhochschule Dortmund, einem Netzwerktreffen mit Vertreter*innen aus Zivilgesellschaft, Politik, Wissenschaft und Praxis. 

„Demokratie können wir nicht an die KI delegieren“, stellte Svenja Stepper, Kanzlerin der FH Dortmund, gleich zu Beginn fest. Darum sei der Vernetzung auf der CoSR so wichtig. „Öffnen, vernetzen, zusammenwirken. Als Hochschule wollen wir den Diskurs stärken, uns einbringen und Austausch ermöglichen“, betonte die Kanzlerin. Dazu haben die Konferenzen der vergangenen Jahre erfolgreich beigetragen und den Grundstein für aktive Kooperationen gelegt.  

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Das ist ein Aufruf zur Revolte.

Prof. Dr. Dierk Borstel

Kernelement des Konferenzvormittags war der Vortrag von Prof. Dierk Borstel. Er lehrt praxisorientierte Politikwissenschaft an der FH Dortmund und berät seit Jahrzehnten Kommunen in ganz Deutschland. Er warnte davor, die schleichende Erosion der Demokratie als Ansammlung von Einzelereignissen misszuverstehen. Die „bewegliche Mitte“, die früher weltoffene Mehrheiten getragen habe, sei anfällig für nationalistische Strömungen, wenn ökonomische Unsicherheiten und Statusängste überhandnehmen. „Das ist hinlänglich erforscht“, so Prof. Borstel.

Prof. Dr. Dierk Borstel

Er zeichnete diese Veränderungen der vergangenen Jahre nach: Mit Thilo Sarrazins Buch wurden menschenfeindliche Einstellungen im geschützten Raum einer Lesung sagbar. Pegida brachte diese Einstellungen auf die Straße, die AfD in die Parlamente. „Heute kann man die gleichen Sachen sagen, wie früher die NPD und trotzdem gesellschaftlich Karriere machen“, so Prof. Borstel. Haltung zu zeigen, sei heute dagegen mit sozialen und ökonomischen Kosten verbunden.

Dierk Borstel rief dazu auf, sich an gesellschaftliche Missstände und Angriffe auf die Menschlichkeit nicht zu gewöhnen: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Das ist ein Aufruf zur Revolte gegen Hass, Gewalt und Ausgrenzung.“ Hochschulen müssten hierbei als geschützte, aber klare Diskursorte zwischen Wissenschaft, Praxis und Zivilgesellschaft agieren.

Impulse zu Politik, Engagement und Künstlicher Intelligenz

Teilnehmende der CoSR 2026

Neben Prof. Borstel beleuchtete Markus Kurth (MdB a.D.) in seinem Vortrag das veränderte Rollenverhältnis von Politik und Wissenschaft in einem „Jahrhundert der Erschütterungen“. Zudem gab Karola Jaschewski (Freiwilligenagentur Dortmund) gemeinsam mit der Dortmunder Wirtschaftsförderung eine Preview auf die neue Matching-Plattform „EngagementDO“, die unternehmerisches Engagement mit gemeinwohlorientierten Projekten vernetzen will.

Am Nachmittag widmete sich das Civic Data Lab (Jonas Stettner und Angela Berger) der Frage, wie Künstliche Intelligenz das Ehrenamt und zivilgesellschaftliche Organisationen verändert. In Keynote und Workshops wurden Chancen und ethische Risiken von Machine Learning beleuchtet – stets unter der Prämisse, dass technische Innovationen dem gesellschaftlichen Zusammenhalt dienen müssen.

Die Conference of Social Responsibility wird vom Nachhaltigkeitsbüro der FH Dortmund organisiert und fand in diesem Jahr zum vierten Mal statt.